Der niederländische Staat will seinen Anteil an der Großbank ABN AMRO auf 10,5 Prozent reduzieren. Der geplante Rückzug nährt Spekulationen über eine mögliche Übernahme durch europäische Konkurrenten.

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ABN AMRO
Die vollständige Privatisierung der niederländischen Großbank ABN AMRO rückt in greifbare Nähe. Die staatliche Beteiligungsgesellschaft NLFI beabsichtigt, ihren Anteil an dem Finanzinstitut über einen Trading-Plan von derzeit 20,7 auf 10,5 Prozent nahezu zu halbieren, darüber berichtete zuerst das Handelsblatt.
Der Staat war im Zuge der globalen Finanzkrise 2008 als Retter eingesprungen und fungierte seitdem als größter Anteilseigner. Begünstigt durch die massiv gestiegenen Bewertungen der Aktie baut die Regierung ihr finanzielles Engagement konsequent ab. Erst Ende Juli hatte der Staat den Verkauf von Aktienpaketen im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro bekannt gegeben, nun soll in Kürze der nächste große Reduzierungsschritt folgen.
Die ABN AMRO Chefin Marguerite Bérard ordnete diese Ankündigung in einem Interview mit Bloomberg TV als nicht unerwartet und als weiteren Beleg für das Vertrauen der niederländischen Regierung in die Bank ein. Bérard, die im vergangenen Jahr von der französischen BNP Paribas an die Spitze des niederländischen Instituts gewechselt war, treibt den internen Umbau derzeit massiv voran. Neben einem strikten Kostenmanagement, das den Abbau tausender Stellen sowie die Trennung von weniger rentablen Geschäftsbereichen umfasst, setzt das Management auf gezieltes anorganisches Wachstum.
Um das heimische Privatkundengeschäft zu stärken, vereinbarte das Institut jüngst die Übernahme der NIBC Bank für 960 Millionen Euro. Auch im lukrativen Geschäft mit vermögenden Kunden expandiert ABN Amro über die Landesgrenzen hinaus, wie der Zukauf der deutschen Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe deutlich macht. Diese strategische Neuausrichtung ist an ambitionierte finanzielle Ziele gekoppelt. Bis zum Jahr 2028 strebt die Konzernspitze eine Eigenkapitalrendite von mindestens 12 Prozent sowie eine Aufwand-Ertrags-Quote von unter 55 Prozent an.
Die nun angekündigte Verkleinerung des Staatsanteils fällt in eine Phase, in der die strukturelle Konsolidierung im europäischen Bankensektor spürbar an Fahrt aufnimmt. Der in Aussicht gestellte schwindende staatliche Einfluss befeuert im Marktumfeld unweigerlich Spekulationen, dass ABN AMRO nach der Restrukturierung bald selbst zum Übernahmeziel avancieren könnte. Brancheninsidern zufolge sollen sich in der jüngeren Vergangenheit bereits Adressen wie die Deutsche Bank, die französische BNP Paribas sowie die belgische KBC intensiv mit dem niederländischen Institut befasst haben.
Bis zu einem vollständigen Ausstieg sichert sich die Regierung jedoch weiterhin Einblicke in die Geschäftsentwicklung. Gemäß der aktuellen Vereinbarung behält die staatliche Beteiligungsgesellschaft NLFI ihre eingeräumten Informationsrechte bei, solange sie mindestens zehn Prozent der Anteile an der Bank hält. Der Kapitalmarkt reagierte auf die Ankündigung der anstehenden Anteilsplatzierung routiniert. Die Aktie der ABN Amro gab am Mittwochmorgen in Amsterdam leicht nach, gehört aber mit einem Wertzuwachs von rund 40 Prozent seit Jahresbeginn und einer Marktkapitalisierung von zuletzt rund 34,5 Milliarden Euro weiterhin zu den stärksten Titeln im europäischen Finanzsektor.

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