Rote Zahlen beim schwedischen Zahlungsdienstleister: Klarna rutscht im Schlussquartal mit 26 Millionen US-Dollar in die Verlustzone. Trotz eines kräftigen Umsatzwachstums bestraft die Börse die wachsenden Kreditrisiken mit einem massiven Kurssturz.

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Klarna
Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna spürt die wachsenden Risiken seines Kreditgeschäfts mit voller Härte. Im Schlussquartal verzeichnete das Unternehmen laut übereinstimmenden Berichten der „Financial Times“ und Bloomberg einen Nettoverlust von 26 Millionen US-Dollar.
Gleichzeitig stieg der operative Umsatz um satte 38 Prozent auf 1,08 Milliarden US-Dollar und übertraf damit sogar die Markterwartungen. Höhere Zinserträge und eine starke Nachfrage nach der hauseigenen Debitkarte trieben dieses Plus an. An der New Yorker Börse reagierten die Anleger am heutigen Donnerstag dennoch panisch und schickten die Aktie nach Handelsbeginn zeitweise um mehr als 22 Prozent in den Keller. Seit dem Börsengang im September, bei dem das Unternehmen noch mit 15 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, hat sich der Wert der Papiere damit halbiert.
Klarna baut sein klassisches „Buy now, pay later“-Geschäft (Kauf auf Rechnung und Ratenzahlung) strategisch um ein Portfolio an langfristigen Krediten aus. Diese versprechen dem Unternehmen zwar weitaus höhere Margen, erfordern in der Praxis jedoch deutlich höhere anfängliche Rückstellungen. In der Folge kletterte die Risikovorsorge für Kreditverluste im Jahresvergleich um 59 Prozent auf 250 Millionen US-Dollar, was 0,65 Prozent des Bruttowarenvolumens entspricht.
Vorstandschef Sebastian Siemiatkowski rechtfertigte diese buchhalterische Entwicklung bereits im Vorfeld der offiziellen Zahlen: „Wenn wir schneller wachsen als erwartet, müssen wir auch mehr Kosten vorab verbuchen und den Gewinn nach hinten verschieben“. Parallel dazu zogen die bereinigten operativen Aufwendungen um 18 Prozent auf 325 Millionen US-Dollar an, was das Management primär mit höheren Investitionen in Technologie und Produktentwicklung begründet.
Um die massiven Kreditrisiken aus der eigenen Bilanz zu verbannen, verkauft Klarna die Forderungen aus seinem langfristigen Kreditgeschäft verstärkt an externe Investoren weiter. Allein im abgelaufenen Quartal trennte sich der Bezahldienst von entsprechenden Forderungen im gigantischen Umfang von 1,6 Milliarden US-Dollar. An der Kundenfront wächst das Unternehmen derweil unaufhaltsam: Der schwedische Konzern verzeichnet mittlerweile 118 Millionen aktive Nutzer, was einem Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zudem zählte Klarna im vierten Quartal 4,2 Millionen aktive Kartennutzer.
Die aktuellen Zahlen von Klarna belegen eindrucksvoll, dass reines Umsatz- und Nutzerwachstum an der Börse längst nicht mehr als Freifahrtschein für unbegrenztes Vertrauen dient. Der massive Kurssturz von über 22 Prozent zeigt schonungslos, dass Investoren im aktuellen Marktumfeld extrem sensibel auf explodierende Kreditrisiken reagieren.
Wenn die Rückstellungen für Kreditausfälle um fast 60 Prozent in die Höhe schießen und das Unternehmen gleichzeitig Forderungen in Milliardenhöhe an Investoren auslagern muss, um das Risiko zu streuen, läuten am Kapitalmarkt alle Alarmglocken. Der strategische Schwenk hin zu margenstarken, aber ausfallgefährdeten Langzeitkrediten erweist sich als gefährlicher Drahtseilakt. Klarna muss der Wall Street nun zwingend beweisen, dass die Algorithmen zur Bonitätsprüfung der Nutzer auch in wirtschaftlichen Schwächephasen verlässlich funktionieren, bevor sich der ohnehin halbierte Börsenwert noch weiter in Luft auflöst.

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