Deutschlands größte rote Sparkasse setzt ein Ausrufezeichen: Die Haspa steigert ihren Jahresüberschuss auf 150 Millionen Euro und gewinnt netto 42.000 neue „Joker“-Konten. Während Großbanken die Fläche verlassen, setzt Hamburgs Marktführer auf das dichteste Filialnetz der Region und eine Rekordnachfrage nach Gold und Aktiensparplänen.

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Haspa-Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang in der Haspa-Zentrale im Deutschlandhaus | Bildnachweis: Haspa
Die Hamburger Sparkasse blickt auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jubiläumsjahr 2025 zurück, in dem sie ihren Jahresüberschuss nach Steuern signifikant von 125 Millionen auf nunmehr 150 Millionen Euro steigern konnte. Dieser Erfolg basiert primär auf einem stabilen Zinsüberschuss, der mit 892 Millionen Euro das bereits hohe Vorjahresniveau nochmals übertraf, sowie einem historischen Rekord beim Provisionsergebnis. In einem Marktumfeld, das von intensiven Wettbewerbskämpfen um Einlagen geprägt war, gelang es dem Institut, das Volumen der Kundeneinlagen um knapp 800 Millionen Euro auf eine Gesamtsumme von mehr als 41 Milliarden Euro auszubauen. Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang betont in diesem Zusammenhang, dass die Erwirtschaftung dieser Gewinne essenziell sei, um das Eigenkapital kontinuierlich zu stärken und somit als Motor der regionalen Wirtschaft künftige Investitionen mit ausreichenden Krediten begleiten zu können.
Im Gegensatz zu vielen Groß- und Neobanken, die ihre physische Präsenz reduzieren oder rein auf digitale Schnittstellen setzen, definiert die Haspa ihre 100 Nachbarschaftsfilialen als zentralen Wachstumstreiber. Die Strategie der räumlichen und menschlichen Nähe scheint bei den Kunden eine hohe Resonanz zu finden, was sich besonders im Erfolg des Mehrwertbanking-Programms „HaspaJoker“ widerspiegelt. Im vergangenen Jahr konnte die Bank netto 42.000 dieser Vorteilskonten hinzugewinnen, womit die Gesamtzahl auf über 813.000 angewachsen ist. Die Kombination aus digitaler Kompetenz – mit über 810.000 Online-Banking-Nutzern – und persönlicher Beratung vor Ort wird von der Bankführung als die entscheidende Mischung angesehen, um sich in einer immer komplexeren Finanzwelt als verlässlicher Partner zu positionieren.
Ein besonders deutliches Zeichen für eine wirtschaftliche Trendwende sieht die Haspa auf dem Hamburger Immobilienmarkt. Während Gewerbeimmobilien weiterhin vor Herausforderungen stehen, hat die private Baufinanzierung die Talsohle offenbar bereits durchschritten, da die Bewilligungen im Jahr 2025 um rund 60 Prozent über dem Vorjahreswert lagen. Insgesamt steigerte die Haspa ihre Neuzusagen im Kreditgeschäft auf rund 6,3 Milliarden Euro. Um dem wachsenden Bedarf an energetischen Sanierungen gerecht zu werden, wurde zudem das Dienstleistungsangebot erweitert: Mit dem sogenannten „Sanierungslotsen“ bietet die Bank nun von der Finanzierung über den Energiebedarfsausweis bis hin zur Koordination der praktischen Umsetzung eine ganzheitliche Begleitung für Modernisierungsvorhaben an.
Das Anlageverhalten der Hamburger zeigt im Jahr 2025 eine klare Tendenz zur langfristigen Substanzsicherung. Das Provisionsergebnis verbesserte sich um 32 Millionen auf den Rekordwert von 415 Millionen Euro, was maßgeblich durch das gestiegene Interesse an Wertpapiersparplänen getrieben wurde, deren Anzahl auf rund 173.000 anstieg. Parallel dazu erlebte der Edelmetallhandel eine beispiellose Nachfrage: Mit einem Umsatz von 165 Millionen Euro – ein Zuwachs von einem Drittel gegenüber dem Vorjahr – markiert Gold als „Krisenwährung“ einen neuen Spitzenwert in der Geschichte der Bank. Besonders im neuen Edelmetallhandel im Deutschlandhaus wurden trotz hoher Kurse signifikant mehr Käufe als Verkäufe getätigt.
Um den künftigen Bedarf an Fachkräften zu decken, setzt die Haspa massiv auf Ausbildung und Mitarbeiterbindung. Im Jahr 2025 wurden 200 Auszubildende und ebenso viele neue Mitarbeitende eingestellt, wobei das Institut mit innovativen Ansätzen wie eigenen Azubi-Apartments in Altona auf die hohen Lebenshaltungskosten in Hamburg reagiert. Die hohe Zufriedenheit innerhalb der Belegschaft wird durch eine Weiterempfehlungsquote von 97 Prozent auf dem Portal kununu untermauert. Laut Vogelsang ist dieses Fundament das Ergebnis eines vor zehn Jahren eingeleiteten Kulturwandels, der auf Vernetzung, Vertrauen und Eigenverantwortung setzt.
Trotz der eigenen positiven Entwicklung blickt die Haspa mit Sorge auf die regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Für das Jahr 2026 erwarten die Experten der Bank zwar ein moderates Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent, mahnen jedoch grundlegende Strukturreformen an.
„Wir brauchen ein konsequentes Regulierungs-Moratorium für mindestens drei bis fünf Jahre. Den Titel des ‚Gold-Plating-Weltmeisters‘ könnte Deutschland 2026 endlich abgeben“
Das fordert Harald Vogelsang mit Blick auf die zunehmende Belastung durch bürokratische Auflagen.
Für die eigene Geschäftsentwicklung bleibt das Haus dennoch zuversichtlich und plant, den Wachstumskurs durch die konsequente Verknüpfung von digitalen Services und menschlicher Nähe weiter fortzusetzen.

Die genossenschaftliche Finanzgruppe bündelt unter dem Projektnamen „United“ ihre Marketing-Töchter Truuco, VR-Networld und Teile von DG Nexolution zu einem zentralen Dienstleister. Dieser radikale Konsolidierungskurs soll die ineffiziente digitale Kleinstaaterei der rund 700 Primärbanken beenden.