Regulatorik
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EZB ebnet Weg für Commerzbank-Übernahme: Unicredit vor Kontrollübernahme

Die EZB genehmigt Unicredit die unbegrenzte Aufstockung der Anteile an der Commerzbank. Damit steht Italiens Großbank vor der faktischen Kontrollübernahme beim Frankfurter Mittelstandsfinanzierer.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

15.10.26

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23:08

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EZB ebnet Weg für Commerzbank-Übernahme: Unicredit vor Kontrollübernahme

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Commerzbank AG

Die italienische Großbank Unicredit hat die entscheidende regulatorische Hürde auf dem Weg zur Übernahme der Commerzbank genommen. Wie das Mailänder Institut mitteilte, hat die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) den Italienern offiziell gestattet, ihren Anteil an dem Frankfurter DAX-Konzern über die 30-Prozent-Schwelle hinaus aufzustocken – und das ohne jede weitere Obergrenze. Mit dieser Freigabe rückt die faktische Machtübernahme beim zweitgrößten privaten Geldhaus Deutschlands in greifbare Nähe.

Die Haltung der Aufseher kommt nicht überraschend: Führende Vertreter der EZB hatten sich in der Vergangenheit wiederholt offen für grenzüberschreitende Bankenfusionen im Euroraum ausgesprochen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Institute auf globaler Ebene zu stärken und den Binnenmarkt zu vollenden. Im internationalen Vergleich wirken europäische Banken nahezu winzig, vor allem im Wettbewerb zu US-Banken und erstarkenden asiatischen Großbanken.

In Mailand wertete man den Bescheid entsprechend als Bestätigung des eigenen Expansionskurses. Die Genehmigung unterstreiche das Zutrauen der Aufsicht in die finanzielle Solidität der Unicredit sowie ihre starke Stellung im europäischen Bankensektor, hieß es aus der Konzernzentrale.

Hauptversammlung und Vorstandsrochade Anfang 2027 erwartet

Auf dem Parkett hat Unicredit die Weichen bereits weitgehend gestellt. Aktuell halten die Italiener knapp 30 Prozent der Commerzbank-Aktien, haben sich über ein Übernahmeangebot im vergangenen Sommer jedoch bereits den Zugriff auf weitere rund 20 Prozent der Anteile gesichert. Mit der erwarteten Freigabe durch die EU-Kommission bis zum Jahresende könnte Unicredit die Stimmrechtsmehrheit von rund 50 Prozent schon in Kürze vollziehen, ohne zwingend eine teure erneute Übernahmeofferte am offenen Markt lancieren zu müssen.

Die Konsequenzen für die Unternehmensführung rund um BettinaOrlopp dürften schnell sichtbar werden. Marktbeobachter rechnen damit, dass Unicredit-Chef Andrea Orcel zeitnah für Januar oder Februar 2027 eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen wird. Ziel des Schritts ist es, die zehn Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat der Commerzbank durch eigene Vertraute zu ersetzen.

Da die Arbeitnehmerseite zwar ebenfalls zehn Sitze stellt, bei Abstimmungen im Patt aber die Stimme des von der Kapitalseite gestellten Aufsichtsratsvorsitzenden den Ausschlag gibt, läge die strategische Führung damit vollständig bei den Italienern. Als so gut wie sicher gilt in diesem Szenario auch die Ablösung von Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp, die ihren Rückzug für den Fall einer feindlichen Übernahme bereits angedeutet hatte.

Bund verliert Einfluss, aber die Grenzen des Durchregierens bleiben

Der Deal markiert das vorläufige Ende eines jahrelangen Tauziehens mit der Politik. Die Bundesregierung, die die Commerzbank in der Finanzkrise mit Milliarden gerettet hatte, hatte der Unicredit vor rund zwei Jahren durch den Verkauf eines ersten Aktienpakets überhaupt erst die Tür geöffnet, den wachsenden italienischen Einfluss danach jedoch lange Zeit öffentlich scharf kritisiert. Inzwischen hat Berlin den Widerstand gegen den Einstieg faktisch aufgegeben. Anstelle einer Blockade bemüht sich der Bund, der noch gut zwölf Prozent der Anteile hält, nun um Standortzusagen, den Erhalt des Hauptsitzes in Frankfurt, den Verbleib an der Börse sowie den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Ob das schlussendlich gelingen wird, wird die Zukunft zeigen. Kritiker blicken mit Blick auf die damalige Übernahme der HypoVereinsbank durchaus sehr kritisch auf die Pläne der Italiener.

Gleichwohl kann Orcel trotz einer 50-Prozent-Mehrheit nicht völlig frei durchregieren. Für tiefgreifende strukturelle Schritte wie einen Beherrschungsvertrag oder die Verschmelzung der Commerzbank mit der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) schreibt das deutsche Aktienrecht eine Dreiviertelmehrheit auf der Hauptversammlung vor. Solange der Bund an seinem Zwölf-Prozent-Paket festhält, ist diese Schwelle für die Italiener rechnerisch vorerst nicht erreichbar. Ein vollständiger Rauswurf der Minderheitsaktionäre über einen Squeeze-out erfordert sogar eine Mehrheit von 90 Prozent.

Streitpunkt Auslandsnetz und Stellenabbau

Konfliktpotenzial birgt vor allem die operative Sanierungsstrategie, die Orcel für das Institut vorsieht. Der Unicredit-Chef plant nach einer Übernahme den Abbau von rund 7.000 Vollzeitstellen in Deutschland. Zudem will Mailand das internationale Filialnetz der Commerzbank spürbar beschneiden.

Genau an diesem Punkt entzündet sich die Kritik von Vorstand und Politik. Commerzbank-Chefin Orlopp und Wirtschaftsvertreter betonen stets, dass die Präsenz an internationalen Finanz- und Handelsplätzen das zentrale Alleinstellungsmerkmal des Instituts als Hausbank des deutschen Außenhandels und des exportorientierten Mittelstands bilde. Ob und in welchem Ausmaß Orcel diese Strukturen trotz des Widerstands der Arbeitnehmer und des Bundes zerschlagen wird, dürfte zum ersten großen Härtetest der künftigen Führung werden.

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