Berenberg legt den Jahresabschluss 2025 mit Deloitte-Testat vor. Nach dem BaFin-Eingreifen sinkt der Gewinn drastisch, doch das erste Halbjahr 2026 verspricht Erholung.

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Berenberg (Standort Frankfurt)
Reiner Tisch nach dem regulatorischen Beben am Hamburger Ballindamm: Rund vier Wochen nach dem spektakulären Eingreifen der Finanzaufsicht BaFin hat Deutschlands älteste Privatbank ihren Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025 fertiggestellt. Am 20. Juli erteilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte das uneingeschränkte Testat für das Zahlenwerk. Dass die Bank bei der Vorlage der Bilanz mit ungewohnter Offenheit die Verfehlungen der Verankerung thematisiert, zeigt den akuten Druck, mit dem die neu eingesetzte Interimsführung das ramponierte Vertrauen von Aufsicht und Finanzmarkt kitten muss.
Der nun verabschiedete Jahresabschluss markiert die bilanzielle Aufarbeitung eines eklatanten Compliance-Falles. Im Juni hatte die BaFin die Befugnisse der bisherigen Geschäftsleiter vollumfänglich ausgesetzt und mit Hans-Walter Peters sowie Michael Horf zwei Sonderbeauftragte mit Geschäftsleiterbefugnissen am Platz platziert. Auslöser für die radikale Maßnahme waren massive Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung und Bewertung einzelner Eigenhandelsgeschäfte.
Eine externe forensische Untersuchung förderte im Anschluss schwere Versäumnisse zutage. Neben gezielten Maßnahmen zur Steuerung regulatorischer Eigenmittel- und Eigenkapitaleffekte stellten die Prüfer eine systematische bilanzielle Ergebnissteuerung fest. Zu allem Überfluss wurden Organkredite an frühere Geschäftsleitungsmitglieder aufgedeckt, die den Kriterien der Marktüblichkeit in keiner Weise standhielten. Immerhin: Das operative Kundengeschäft war nach Angaben der Bank von den internen Manipulationen nicht betroffen.
Die auferlegte Transparenz hinterlässt im Zahlenwerk für 2025 tiefe Spuren. Der Jahresüberschuss von Berenberg brach im Vergleich zum Vorjahr um satte 75,2 Prozent auf 20,2 Millionen Euro ein - nachdem 2024 noch glänzende 81,6 Millionen Euro in den Büchern gestanden hatten. Die Eigenkapitalrendite kollabierte spiegelbildlich von ehemals spektakulären 40,1 Prozent auf nunmehr 9,0 Prozent.
Dieser Einbruch deckt sich zwar exakt mit der bereits im Juni abgegebenen Hiobsbotschaft des Hauses, verdeutlicht aber das Ausmaß des Aufräumprozesses. Neben den Wertberichtigungen infolge der Forensik machten sich eine deutlich erhöhte Risikovorsorge, spürbare Belastungen im Wealth and Asset Management, ein schwaches Schlussquartal im Investmentbanking sowie hohe Investitionen in die IT-Infrastruktur ertragsmindernd bemerkbar.
Trotz der Altlasten gibt sich die Interimsführung für die Zukunft der Privatbank demonstrativ zweckoptimistisch. Das operative Geschäft zeigt im laufenden Jahr bereits Anzeichen einer dynamischen Erholung: Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete Berenberg nach eigenen Angaben wieder einen Überschuss von rund 40 Millionen Euro und verfügt weiterhin über eine komfortable Liquiditätsausstattung. Parallel dazu laufen operative Meilensteine wie der Umzug in die neue Hamburger Unternehmenszentrale und die Modernisierung der IT-Rechenzentren planmäßig ab.
Die entscheidende Herkulesaufgabe für die Gesellschafter liegt nun in der Zukunftsarchitektur. Hinter den Kulissen wird unter Hochdruck an einer neuen Führungs- und Aufsichtsstruktur gearbeitet. Die Verhandlungen mit den Aufsichtsbehörden über die künftige, dauerhafte Geschäftsleitung laufen auf Hochtouren. Erst wenn Berenberg beweist, dass die neu eingezogenen Kontroll- und Governance-Mechanismen fehlerfrei greifen, wird der Traditionsname seine volle Strahlkraft im Parkett- und Kundengeschäft zurückgewinnen können.

Lars Jungemann übernimmt zum 1. September 2026 die Leitung des Bereichs People & Culture bei der HypoVereinsbank. Er folgt auf Georgiana Lazar-O’Callaghan.