Die Immobilienkrise schlägt bei der Merkur Privatbank voll durch: Nach der gestrichenen Dividende im Frühjahr zwingen anhaltende Bauträger-Risiken das Institut zu massiven Wertberichtigungen und einem Gewinneinbruch von zwei Dritteln.

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Merkur Privatbank
Was die Führung der Merkur Privatbank in ihren Mitteilungen als Agieren "mit Bedacht" umschreibt, ist bei genauerem Hinsehen ein mühsamer Abwehrkampf gegen die Altlasten im Kreditbuch. Die anhaltende Flaute am deutschen Immobilienmarkt und das Straucheln gewerblicher Projektentwickler fordern bei dem börsennotierten Münchner Traditionshaus einen immer höheren Tribut. Das könnte man zumindest mit Blick auf die Geschäftszahlen munkeln.
Wie die Zahlen nach den ersten neun Monaten des Jahres 2026 belegen, brach das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit im Vorjahresvergleich um zwei Drittel von 22,7 Millionen auf nur noch 7,5 Millionen Euro ein. Dass das Institut unter dem Strich überhaupt noch einen Periodengewinn von 5,0 Millionen Euro ausweisen kann, verdankt es fast ausschließlich dem florierenden Provisionsgeschäft, während das klassische Kerngeschäft unter einer massiven Welle an Wertberichtigungen ächzt.
Der drastische Gewinnrückgang markiert die Fortsetzung einer Entwicklung, die sich bereits im Frühjahr mit Wucht angekündigt hatte. Schon im Mai sah sich das Institut gezwungen, als defensive Vorsichtsmaßnahme überraschend die Dividende für das Rekordjahr 2025 komplett zu streichen, um die eigene Kapitaldecke gegen drohende Kreditausfälle zu wappnen.
Die aktuellen Neunmonatszahlen zeigen nun, wie akut die Risiken im Portfolio tatsächlich sind. Die Risikovorsorge für notleidende Immobilienkredite schoss zum 30. September auf 40,7 Millionen Euro in die Höhe – nahezu eine Verdopplung gegenüber den 22,3 Millionen Euro des Vorjahreszeitraums. Lag die Zuführung im ersten Quartal noch bei vergleichsweise moderaten 6,2 Millionen Euro, musste das Management das Tempo der Abschreibungen im Sommer drastisch verschärfen.
In der Folge sackte der Zinsüberschuss nach Risikovorsorge um knapp 40 Prozent von 62,3 Millionen auf 37,7 Millionen Euro ab. Die jahrelang forcierte Spezialisierung auf die Finanzierung gewerblicher Bauträger, die der Bank im Niedrigzinsumfeld Rekordmargen bescherte, erweist sich in der aktuellen Marktbereinigung als schwere Hypothek.
Angesichts der Schieflagen am Bau zieht das Haus nun erkennbar die Notbremse. Das Neugeschäft mit Bauträgern wird bewusst zurückgefahren, gleichzeitig baut die Bank bestehende Kreditengagements aktiv ab. Dieser Schrumpfkurs schlägt direkt auf die Bilanz durch: Die Bilanzsumme sank gegenüber dem Jahresende 2025 von 4,1 Milliarden auf 3,9 Milliarden Euro.
Dr. Marcus Lingel, persönlich haftender Gesellschafter der KGaA, begründet den defensiven Kurs mit den anhaltenden Marktverwerfungen:
"Das Geschäftsjahr 2026 bleibt sehr anspruchsvoll und erfordert von uns Bedacht. Wir haben hierauf mit einer Rückführung der Kreditvolumina und weniger Bauträgerneugeschäft reagiert."
Dass der Bereinigungsprozess noch keineswegs ausgestanden ist, macht Lingel unmissverständlich deutlich. Eine Entwarnung für das Jahresschlussquartal verweigert die Bank. Weitere Wertberichtigungen in Millionenhöhe sind fest eingeplant, sollten die anstehenden turnusmäßigen Neubewertungen der Sicherheiten zusätzlichen Korrekturbedarf offenlegen.
Dass die Merkur Privatbank operativ nicht tiefer in die roten Zahlen gerutscht ist, liegt einzig an der erfreulichen Verfassung der zweiten Säule: dem Vermögensmanagement.
Hier vertrauten Kunden der Bank per Saldo 424 Millionen Euro an frischem Geld an, wodurch die verwalteten Vermögen (Assets under Management) auf rund 5,6 Milliarden Euro kletterten. Entsprechend legte der Provisionsüberschuss um neun Prozent auf 27,7 Millionen Euro zu und stabilisierte die Ertragslage gemeinsam mit dem Leasinggeschäft.
Doch die Schere im Geschäftsmodell klafft bedrohlich weit auseinander. Während das Wealth Management verlässlich Gebühren abwirft, fressen die Belastungen aus den Immobilienkrediten sowie spürbar gestiegene Personalkosten den Großteil der operativen Erträge wieder auf. Die Hoffnung des Marktes auf eine rasche Bodenbildung hat sich zerschlagen. Solange die Baubranche in der Krise verharrt und alte Projektfinanzierungen nachjustiert werden müssen, bleibt die Merkur Privatbank im Sanierungsmodus – und das florierende Vermögensmanagement dient vorerst vor allem dazu, die schmerzhaften Löcher im Kreditbuch zu stopfen.

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