Ein tektonisches Beben erschüttert die Teppichetagen der Corporate- und Investmentbanken (CIBs): Laut dem ersten „World Corporate and Investment Banking Report“ von Capgemini planen 85 Prozent der Firmenkunden, in den nächsten 12 Monaten zu agileren Nicht-Banken abzuwandern.

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Der Mythos der unantastbaren Hausbank zerbröselt vor unseren Augen: Die Ära, in der Großunternehmen aus Gewohnheit an ihren angestammten Finanzinstituten festhielten, neigt sich möglicherweise dem Ende zu. Die Zahlen des aktuellen Capgemini-Reports sind ein Offenbarungseid für die Branche: Ganze 85 Prozent der Firmenkunden geben an, innerhalb der nächsten 12 Monate verstärkt auf Nicht-Bank-Finanzinstitute auszuweichen, da diese schlicht transparentere und reaktionsschnellere Dienstleistungen bieten. Besonders bitter für die Banken: Während die Kunden verzweifelt nach Echtzeit-Reaktionen und personalisierter Betreuung suchen, bescheinigt nicht einmal jeder Vierte den Banken, diese Anforderungen derzeit überhaupt zu erfüllen.
Andreas von Kahlen, Leiter Corporate and Investment Banking bei Capgemini Invent, findet deutliche Worte für das strategische Versagen vieler Häuser:
„Nicht-Banken schließen die Wettbewerbslücke zu etablierten Corporate und Investmentbanken. Die Kundenanforderungen haben sich dramatisch verändert, und obwohl Corporate und Investmentbanken stark in KI investiert haben, tun sich viele schwer, über die Pilotphase hinauszukommen“
Er identifiziert die fehlende Struktur als zentrales Hindernis, da nur 26 Prozent der Banken über eine zentralisierte KI-Governance verfügen. Von Kahlen mahnt einen radikalen Kurswechsel an:
„Um erfolgreich zu sein, müssen die Banken einen disziplinierten Ansatz verfolgen: Sie müssen unternehmensweit skalierbare Plattformen schaffen und ein Ökosystem aus vertrauenswürdigen Partnern aufbauen“.
Dass die Banken technologisch auf der Stelle treten, liegt auch an einer fatalen Fehlallokation ihrer Budgets. Während mickrige 29 Prozent der IT-Mittel in transformative Technologien fließen, werden 43 Prozent der Gelder verbrannt, um veraltete Altsysteme mühsam am Leben zu erhalten.
Dies führt zu einer grotesken digitalen Realität: 92 Prozent der Kunden beklagen, dass sie mangels Integration in ihre ERP- und Treasury-Systeme weiterhin auf manuelle „Workarounds“ angewiesen sind. Zudem zweifeln 89 Prozent der Kunden die Verlässlichkeit KI-generierter Ergebnisse der Banken schlichtweg an.
Die Capgemini-Studie entlarvt ein tiefgreifendes kulturelles Problem der CIBs: 39 Prozent der befragten Führungskräfte geben zu, dass eine konservative Kultur die Erprobung neuer Technologien massiv ausbremst. Die Banken versuchen nun verzweifelt, das fehlende interne Know-how durch teure externe Neueinstellungen zu kompensieren (40 Prozent), anstatt die eigene Belegschaft konsequent umzuschulen.
Diese Trägheit ist existenzgefährdend (zugegeben, eher in der fernen Zukunft), da das Umsatzwachstum der Branche bereits jetzt von 6,5 Prozent auf prognostizierte 5,4 Prozent absinkt. Der letzte Rettungsanker scheint die Flucht in neue Produkte: Über die Hälfte der Führungskräfte setzt nun auf tokenisierte Assets und Echtzeit-Treasury, um neue Einnahmequellen zu erschließen. Doch solange die Banken 61 Prozent ihrer Energie in horrende Compliance-Kosten stecken und ihre technologische Basis vernachlässigen, bleibt der Exodus der Firmenkunden unaufhaltsam. Die Ära der Bank als exklusiver Gatekeeper des Kapitals ist endgültig vorbei.

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