Antizyklische Attacke: Während Superreiche London verlassen, will die Deutsche Bank 250 neue Berater für Hochvermögende einstellen. Vorstand Claudio de Sanctis plant den Angriff auf der Insel.

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Während in den Villenvierteln von Mayfair und Kensington die Umzugswagen rollen, weil die Abschaffung des Steuerprivilegs für „Non-Doms“ viele Superreiche aus London vertreibt, plant die Deutsche Bank den Frontalangriff.
Claudio de Sanctis, der Chef der Privatkundenbank, hat eine gewagte Wette auf den Standort Großbritannien abgeschlossen. Das Institut plant, rund 250 neue Private Banker einzustellen, wobei der Fokus explizit auf der britischen Hauptstadt liegt. Dazu äußert sich de Sanctis gegenüber Bloomberg.
Es ist ein klassisches antizyklisches Manöver: Während die Konkurrenz zögert oder Personal abzieht, wittert der Frankfurter Bankmanager die Chance seines Lebens.
De Sanctis‘ Kalkül ist so simpel wie riskant. Er geht davon aus, dass viele der abwandernden Milliardärsfamilien ihren physischen Wohnsitz zwar verlegen, ihre finanziellen Geschicke aber weiterhin über den globalen Hub London lenken wollen. Genau diesen Moment der Unsicherheit will der Manager monetarisieren.
Seine Logik: Wenn andere Banken nervös werden, ist der Tisch für die Deutsche Bank gedeckt. Er plant, gezielt Top-Berater von Wettbewerbern abzuwerben, indem er ihnen attraktive Konditionen und die Infrastruktur einer globalen Investmentbank bietet. London, so sein Credo, bleibe ungeachtet steuerlicher Änderungen ein fantastisches Finanzzentrum.
Die geplante Einstellungsoffensive, die auch die Wachstumsregionen Dubai, Singapur und Hongkong umfasst, wirft jedoch ein Schlaglicht auf den radikalen Umbau im Inneren des Instituts. Die Nachricht kommt nur wenige Monate, nachdem die Bank Ende 2024 die Entlassung von etlichen Führungskräften im Privatkundensektor bekannt gegeben hatte.
Was auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt, folgt einer harten Effizienzlogik: Weg vom Verwaltungs-Wasserkopf, hin zur vertriebsstarken Front. Die neuen Stellen sind fast ausschließlich für Berater vorgesehen, die das Geschäft mit den „Ultra High Net Worth Individuals“ (UHNWI) vorantreiben sollen.
Strategisch zielt die Bank darauf ab, ihre Einnahmequellen zu stabilisieren. Statt auf schwankende Transaktionsgebühren setzt man verstärkt auf diskretionäre Mandate mit wiederkehrenden Verwaltungsgebühren. Zudem soll die Brücke zum Investmentbanking geschlagen werden, um britische Familienunternehmen und den dortigen Mittelstand ganzheitlich zu betreuen.
Nötig hat die Deutsche Bank diesen aggressiven Wachstumskurs allemal, denn im globalen Vergleich hinkt sie den Giganten der Branche noch hinterher. Mit verwalteten Vermögen von 675 Milliarden Euro ist der Abstand zu den Billionen-Verwaltern wie UBS oder Morgan Stanley noch immer gewaltig. De Sanctis will diese Lücke nun schließen – mit neuen Köpfen und einer gehörigen Portion Risiko.

Meilenstein in den USA: Die UBS erhält die vorläufige Genehmigung für eine nationale Banklizenz. Damit stärkt die Schweizer Großbank ihre Position im amerikanischen Wealth Management und nähert sich der finalen Zulassung.

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