Allianz gegen US-Dominanz und staatliche Konkurrenz: Der Bezahldienst Wero verbündet sich mit Partnern wie Vipps und Bizum für einen europäischen Zahlungsraum. Doch die Banken fürchten den digitalen Euro – den nun auch Kanzler Merz unterstützt.

Bildnachweis:
Wero
Der europäische Zahlungsmarkt steht vor einer Neuordnung. Um die erdrückende Dominanz von US-Konzernen wie Visa, Mastercard und Paypal zu brechen, formiert sich nun eine breite Allianz auf dem Kontinent. Der von deutschen und französischen Banken getragene neue Bezahldienst Wero hat sich mit vier weiteren großen Playern zusammengeschlossen: Bancomat aus Italien, Bizum aus Spanien, SIBS aus Portugal und Vipps Mobilepay aus Skandinavien. Gemeinsam haben die Anbieter eine Absichtserklärung unterzeichnet, um nahtlose grenzüberschreitende Zahlungen in Europa bis zum Jahr 2027 Realität werden zu lassen.
Der Plan der „Grand Coalition“ ist ehrgeizig. Die unterschiedlichen nationalen Systeme sollen technisch so verknüpft werden, dass sie in den jeweils anderen Regionen funktionieren. Wer also künftig mit seiner Wero-App im Spanien-Urlaub an der Ladenkasse steht, soll dort genauso problemlos bezahlen können wie zu Hause. Der Startschuss für die praktische Umsetzung soll bereits im kommenden Jahr fallen: Für 2026 sind erste grenzüberschreitende Zahlungen von Handy zu Handy geplant, der Einsatz im Einzelhandel soll dann ein Jahr später folgen. Insgesamt decken die fünf Partner 13 Länder ab und repräsentieren damit einen gewichtigen Teil des europäischen Binnenmarktes.
Triebfeder der Kooperation ist der Wunsch nach „europäischer Zahlungssouveränität“. Die Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) sprechen eine deutliche Sprache: Im Euro-Raum laufen derzeit 64 Prozent aller Kartenzahlungen über internationale Systeme, sprich über US-Anbieter. Im Online-Handel dominiert Paypal das Geschehen. Die europäischen Banken, die hinter Wero stehen – darunter Sparkassen, Volksbanken und die Deutsche Bank –, wollen dieser Abhängigkeit nun eigene Infrastrukturen entgegensetzen. Allerdings kommt der Vorstoß spät: Die Vorgänger-Systeme Paydirekt und Giropay sind in Deutschland bereits gescheitert. Auch Wero steht noch am Anfang und hat im E-Commerce erst Ende 2025 mit wenigen Händlern losgelegt.
Doch die Allianz kämpft an zwei Fronten. Neben den US-Riesen bereitet den Banken vor allem ein politisches Prestigeobjekt Sorgen: der digitale Euro. Die EZB treibt das Projekt voran, um dem Rückgang des Bargelds etwas entgegenzusetzen. Die Politik flankiert das Vorhaben zunehmend offensiv. Erst in der vergangenen Woche sprach sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz für die Einführung des digitalen Zentralbankgeldes aus.
In der Finanzbranche läuten deshalb die Alarmglocken. Die Banken befürchten, dass der digitale Euro ihre eigenen Initiativen wie Wero kannibalisieren könnte, bevor diese überhaupt richtig Fahrt aufgenommen haben. Ein Szenario bereitet den Strategen dabei besonders Kopfzerbrechen: US-Plattformen wie Paypal oder Amazon könnten den digitalen Euro vermutlich schneller und benutzerfreundlicher in ihre bestehenden Apps integrieren als viele träge Bankhäuser. Die europäische Kreditwirtschaft liefe somit Gefahr, die teure Infrastruktur für den digitalen Euro finanzieren zu müssen, während die US-Konkurrenz das Geschäft macht. Die Entscheidung über die Zukunft des digitalen Euros dürfte spannend werden – das EU-Parlament wird voraussichtlich im Mai darüber abstimmen.

Starkes Jahr für die UBS: Der Gewinn klettert 2025 auf 7,8 Milliarden Dollar. Die Aktionäre erhalten mehr Dividende. Die Integration der Credit Suisse ist fast abgeschlossen.

Wachablösung beim Traditionsbankhaus: Peter Bohrer übernimmt die Leitung der Kundenbetreuung in Frankfurt. Metzler setzt auf ein Eigengewächs für die Nachfolge von Ralph Procher und plant einen geräuschlosen Übergang.