Das Altersvorsorgedepot kommt. Und mit ihr ein Umdenken hin zur kapitalgestützten Altersvorsorge in Deutschland. Doch warum beim Altersvorsorgedepot die Kosten maßgeblich sind, erfahren Sie in unserem Beitrag.
Deutschland wagt mit dem Altersvorsorgedepot ab 2027 den dringend benötigten Neustart in der privaten Vorsorge. Doch während die neue Freiheit bei der Anlageform begeistert, sorgt die geplante Kostenobergrenze für Diskussionen. Im Gespräch mit Jonathan Brander, COO von upvest, zeigen wir auf, warum eine moderne Investment-Infrastruktur für dieses neue Produkt zentral ist, um den Vorsorgenden echte Renditevorteile zu sichern.
Die deutsche Altersvorsorge steht vor einer Zeitenwende. Während die gesetzliche Rente durch den demografischen Wandel und das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge unter massiven Druck gerät, hat das Bundeskabinett nun den Weg für eine tiefgreifende Reform der dritten Säule frei gemacht: Ab dem 1. Januar 2027 wird das neue Altersvorsorgedepot (AVD) eingeführt. Es ist die lang erwartete Antwort auf die schleichende Erosion der Riester-Rente, deren Vertragszahlen seit Jahren rückläufig sind.
Das Kernstück der Reform ist die Abkehr von der starren Beitragsgarantie, die in der Vergangenheit renditestarke Anlagen fast unmöglich machte. Mit dem neuen AVD können Anlegerinnen und Anleger erstmals in chancenorientierte Anlageklassen wie Aktien-Indexfonds (ETFs) investieren, ohne dass ein nominaler Kapitalerhalt garantiert werden muss. Damit erkennt der Gesetzgeber an, dass langfristige Renditen am Kapitalmarkt der beste Schutz gegen Altersarmut sind.
Doch mit dem Fortschritt kommt die Debatte. Für das sogenannte „Standarddepot“ - eine besonders einfache Variante des AVD für Vorsorgende mit wenig Erfahrung - sieht der Gesetzentwurf eine Kostenobergrenze von 1,5% pro Jahr vor. Was auf den ersten Blick wie ein notwendiger Verbraucherschutz klingen mag, wird bei genauerer Betrachtung zur Hypothek für die künftigen Rentnerinnen und Rentner.
In einem Marktumfeld, in dem breit gestreute Indexfonds bereits für weniger als 0,2% Gebühren pro Jahr zu haben sind, wirkt ein Deckel von 1,5% wie aus der Zeit gefallen. Diese Grenze bietet ineffizienten Strukturen und veralteten Geschäftsmodellen klassischer Anbieter zu viel Spielraum, um die mühsam erwirtschafteten Renditen der Anlegerinnen und Anleger durch hohe Verwaltungskosten aufzuzehren. Für das klassische, freie AVD ist interessanterweise gar keine explizite Obergrenze vorgesehen.
Ein Blick zu unseren Nachbarn in die Schweiz zeigt, wohin die Reise geht. Dort hat sich in der privaten Vorsorge (Säule 3a) längst ein Trend zu radikal tieferen Kosten durchgesetzt. Eine aktuelle Auswertung von über 200 Anlageprodukten durch die Hochschule für Wirtschaft in Freiburg belegt die deutliche Überlegenheit passiver, kostengünstiger Lösungen gegenüber klassischen Bankfonds (Quelle: Handelszeitung). Kleine, digitale Anbieter haben den Markt mit Gebührenstrukturen aufgemischt, die weit unter dem liegen, was traditionelle Institute verlangen.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Hohe Gebühren drücken massiv auf die Rendite. Während traditionelle Anbieter oft deutlich über einem Prozentpunkt berechnen, liegen moderne digitale Akteure häufig bei weniger als der Hälfte. Deutschland wird mit dem Start des AVD im Jahr 2027 eine ähnliche Konsolidierung erleben: Nur Anbieter, die Qualität mit niedrigen Kosten verbinden, werden langfristig das Vertrauen der Anlegerinnen und Anleger gewinnen.
Wie dramatisch sich ein Unterschied von 1,2 Prozentpunkten bei den jährlichen Kosten über ein Arbeitsleben hinweg auswirkt, verdeutlicht ein Rechenbeispiel. Wir nehmen eine Anlegerin an, die mit 18 Jahren ein Standarddepot eröffnet und bis zum Alter von 65 Jahren vorsorgt - ein Anlagehorizont von 47 Jahren. Sie nutzt die volle Förderung und zahlt jährlich 1.800 Euro ein (über einen monatlichen Sparplan), was ihr nach aktuellem Stand die maximale staatliche Zulage von 480 Euro sichert. Insgesamt fließen also jedes Jahr 2.280 Euro in das Depot.
Bei einer angenommenen Bruttorendite des Kapitalmarkts von 7,0% pro Jahr ergeben sich zwei Szenarien:
Die Differenz ist beträchtlich: Allein durch die geringeren Gebühren erhält die Anlegerin am Ende rund 218.000 Euro mehr. Das ist kein theoretischer Wert, sondern der reale Preis, den künftige Rentnerinnen und Rentner für den Erhalt ineffizienter Strukturen zahlen müssten.
Die Frage ist: Warum tun sich viele Institute so schwer mit niedrigen Gebühren? Die Antwort liegt oft in einer veralteten IT-Landschaft. Manuelle Prozesse, komplexe Schnittstellen und starre Systeme verursachen Betriebskosten, die letztlich auf die Kundinnen und Kunden abgewälzt werden. Ein wirklich wettbewerbsfähiges Angebot für das Altersvorsorgedepot lässt sich nur auf einer modernen, hochgradig digitalisierten Investment-Infrastruktur realisieren.
Dabei spielen moderne, skalierbare Technologien eine entscheidende Rolle. Sie ermöglichen die notwendige Widerstandsfähigkeit und Automatisierung, um auch große Nutzerzahlen effizient zu verwalten. Eine unverzichtbare Funktion ist zudem der Handel mit Bruchstücken. Nur so können kleinere Beträge – wie etwa monatlich anteilige Einzahlungen oder die staatlichen Zulagen – sofort und ohne Renditeeinbußen durch Barbestände vollautomatisch reinvestiert werden.
Das Altersvorsorgedepot 2027 ist eine historische Chance für die deutsche Aktienkultur und die finanzielle Sicherheit künftiger Generationen. Damit diese Chance nicht durch überhöhte Gebühren verspielt wird, muss der Markt den Fokus von starren Kostenobergrenzen auf echte betriebliche Effizienz verlagern. Nur wer jetzt in moderne, skalierbare Infrastrukturen investiert, wird in der Lage sein, den Anlegerinnen und Anlegern die Renditen zu liefern, die sie für ein würdevolles Alter benötigen. Die technische Basis für diese Revolution steht bereit – es liegt nun an den Instituten, sie konsequent zu nutzen.

Jonathan Brander begleitet als COO von Upvest die Skalierung eines der führenden Anbieter für Investment-Infrastruktur in Europa. Er verfügt über umfassende Expertise in der Transformation von Finanzdienstleistungen durch moderne, schnittstellenbasierte Technologien.