Angriff auf die Neobroker: Bitpanda startet den Handel mit echten Aktien und ETFs. Vor dem möglichen Börsengang wandelt sich das Wiener Krypto-Fintech zum Vollsortimenter.

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Bitpanda
Das österreichische Einhorn Bitpanda vollzieht den wohl wichtigsten strategischen Schwenk seiner jüngeren Unternehmensgeschichte und bläst zum Angriff auf die etablierten Neobroker. Wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, verabschiedet sich die Plattform im Aktienhandel von Hilfskonstruktionen und ermöglicht ihren Kunden ab dem 29. Januar den direkten Erwerb von "echten" Wertpapieren.
Bislang konnten Nutzer auf der Plattform lediglich in sogenannte Derivate investieren – Verträge, die den Wert und die Kursentwicklung inklusive Dividenden eins zu eins nachbildeten, ohne dass das Asset physisch im Depot lag. Künftig wird der Handel direkt möglich sein. Das Angebot zum Start ist massiv: Rund 8.000 Aktien und 2.500 ETFs stehen den Anlegern zur Verfügung. Preislich positioniert sich das Fintech aggressiv und verlangt eine Gebühr von einem Euro je Transaktion.
Für Mitgründer Eric Demuth ist dieser Schritt die logische Konsequenz einer elfjährigen Entwicklung. „Wir haben vor elf Jahren Krypto erstmals einfach und sicher für alle zugänglich gemacht“, so Demuth. Nun folge die nächste Evolution, indem man alle Märkte und Assetklassen in einer einzigen App bündele, die bereits Millionen von Kunden vertraut sei.
Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad, der das Unternehmen seit Ende des vergangenen Jahres operativ allein leitet, sieht in der "All-in-One"-Lösung den entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Auf einer Veranstaltung zur Produktankündigung am Dienstagabend skizzierte er die Vision, dem Kunden den nahtlosen Wechsel „von Bitcoin zu Tesla zu Gold“ zu ermöglichen.
Damit unterscheide sich Bitpanda signifikant vom Wettbewerb, der oft noch in Silos denke. Im Gegensatz zu vielen Fintechs, die mit einem einzigen Anwendungsfall begonnen hätten, sei die Bitpanda-Plattform von Grund auf für Multi-Asset-Investitionen konzipiert worden. „Wir kommen aus der entgegengesetzten Richtung“, betonte das Unternehmen.
Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der der Markt für Neobroker in Deutschland bereits weitgehend aufgeteilt scheint. Der Berliner Platzhirsch Trade Republic verwaltet mittlerweile ein Vermögen von mehr als 150 Milliarden Euro für über zehn Millionen Kunden in 18 Ländern und hat sich längst vom reinen Broker zur Vermögensverwaltung weiterentwickelt.
Auch der Münchner Konkurrent Scalable Capital ist im Segment für Aktien, ETFs und Krypto fest etabliert. Und generell gelten deutsche Endkunden als teuer in der Akquise über digitale Marketingkampagnen. Ob sich Bitpanda hier als feste Größe im umkämpften Markt etablieren kann, bleibt daher abzuwarten.
Der strategische Umbau erfolgt vor dem Hintergrund hartnäckiger Börsengerüchte. Marktbeobachter handeln Bitpanda seit einiger Zeit als heißen IPO-Kandidaten für das laufende Jahr. Zuletzt berichtete Bloomberg, das Unternehmen strebe noch im ersten Halbjahr ein Listing in Frankfurt an.
Die strukturellen Weichen dafür scheinen gestellt. Nach einer Finanzierungsrunde im August 2021 wurde das Fintech mit 4,1 Milliarden Dollar bewertet. Auch personell hat sich das Unternehmen neu sortiert: Mitgründer Eric Demuth trat im November als Co-CEO zurück und fungiert seitdem als Executive Chairman und Präsident des Verwaltungsrats der Schweizer Holdinggesellschaft Bitpanda Group AG.
Neben dem Privatkundengeschäft setzt Bitpanda zudem stark auf seine B2B-Sparte "Bitpanda Technology Solutions". Mindestens zehn Firmenkunden, darunter Schwergewichte wie die Smartphonebank N26, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder die österreichische Raiffeisenlandesbank, nutzen bereits die technische Infrastruktur der Wiener, um ihren eigenen Kunden den Handel mit Digital Assets zu ermöglichen. Mit dem neuen Aktien-Angebot könnte auch dieses B2B-Segment weiter an Attraktivität gewinnen.

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