Vertrauenskrise bei Private Credit: HSBC zieht nach Unternehmenspleiten die Reißleine

Der Markt für Private Credit steht wegen steigender Insolvenzen unter Druck. Nun beendet die Großbank HSBC die Vergabe Krediten an Private-Credit-Fonds.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

7.7.26

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9:00

Uhr

Vertrauenskrise bei Private Credit: HSBC zieht nach Unternehmenspleiten die Reißleine

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HSBC

Der Markt für private Kreditfonds (Private Credit) sieht sich aktuell mit massiver Skepsis konfrontiert. Nach einer jüngsten Welle von Unternehmenspleiten gilt das Geschäft mit diesen alternativen Finanzierungen als besonders riskant, was nun zu einer weitreichenden Kehrtwende führt. Die britische Großbank HSBC Holdings zieht Konsequenzen aus dem veränderten Marktumfeld und stellt die Kreditvergabe an risikoreichere Private-Credit-Fonds ein, darüber berichtet die Financial Times. Auslöser für diesen Schritt sind die zunehmenden Insolvenzen von Unternehmen, welche fragwürdige Zeichnungsstandards innerhalb der gesamten Branche offenbart haben.

Risiko-Analyse erzwingt restriktiven Kurs der HSBC

In den vergangenen Wochen hat die Großbank damit begonnen, betroffene Kunden über den Kurswechsel zu informieren. Demnach wird das Institut bestimmte bestehende Kreditlinien nicht mehr verlängern und sich vollständig aus der Bereitstellung von nachrangigen Hebelfinanzierungen für diese risikobehafteten Fonds zurückziehen. Nach einer eingehenden internen Überprüfung kam die HSBC-Führung scheinbar zu dem Schluss, dass die Erträge aus bestimmten Private-Credit-Fonds die damit verbundenen Risiken schlicht nicht mehr rechtfertigen. Das Londoner Geldhaus wird sein Kapital künftig stattdessen konsequent auf weniger riskante Fondsstrukturen konzentrieren.

Dieser Schritt der HSBC verdeutlicht, dass die klassischen Banken dem Private-Credit-Markt mittlerweile mit tiefer Skepsis begegnen. Das Geschäft hatte sich in Zeiten hoher Zinsen zwar massiv aufgebläht, steht nun aber durch die ansteigenden Unternehmenspleiten unter erheblichem Druck. Die aktuelle Entwicklung reiht sich nahtlos in die jüngsten Hiobsbotschaften für die gesamte Assetklasse Private Credit und Private Debt ein. Was von Investoren lange Zeit als vermeintlich stabile und krisenfeste Renditequelle abseits der regulierten Märkte geschätzt wurde, entpuppt sich im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld als zunehmend unkalkulierbares Risiko.

Druck auf Fondsmanager und Abwertungen am Kapitalmarkt

Die schwindende Risikobereitschaft der Geschäfts- und Investmentbanken führt bereits zu spürbaren Verwerfungen innerhalb des Segments. Einige Großbanken haben damit begonnen, die Konditionen für die von ihnen bereitgestellten Hebelfinanzierungen drastisch zu erhöhen, und schreiben zeitgleich bestimmte Kredite ab, die ihnen von den Fonds als Sicherheiten hinterlegt wurden. Viele Institute begeben erst gar keine (Hebel-)Finanzierungen für die Assetklasse mehr.

Diese restriktive Haltung zwingt die Akteure auf der Gegenseite zu Anpassungen hinter den Kulissen. Um den Entzug von Kreditlinien oder drohende Nachschusspflichten abzuwenden, sehen sich viele Fondsmanager im Private-Credit-Bereich gezwungen, schwächelnde Positionen eilig aus ihren Portfolios auszutauschen. Gleichzeitig demonstrieren die dominierenden Schwergewichte der Wall Street unmissverständlich ihre vertraglichen Kontrollrechte: Institute wie JPMorgan Chase, Goldman Sachs und Barclays machen vermehrt von ihrem Recht Gebrauch, einzelne in den Linien verankerte Vermögenswerte eigenständig abzuwerten.

Aus Branchensicht zeigt sich, dass das Vertrauen in die Stabilität von Private-Credit-Fonds nachhaltig erschüttert ist. Da der Rückzug von Primärbanken wie der HSBC die Refinanzierung der Fonds spürbar verteuert und verknappt, dürfte sich die Krise in den kommenden Quartalen weiter verschärfen und zu einer tiefgreifenden Bereinigung des gesamten Sektors führen.

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