Die ING Deutschland bringt noch vor Weihnachten 2026 eine eigene Kreditkarte heraus. Zudem kündigt Bankchef Lars Stoy neue Girokonto-Modelle für Mitte 2027 an.

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Die Direktbank ING Deutschland rüstet sich für den Jahresendspurt und schließt eine lang ersehnte Lücke im eigenen Produktportfolio. Wie ING-Deutschland-Chef Lars Stoy gegenüber der dpa ankündigte, bringt das Institut noch vor dem Weihnachtsgeschäft 2026 eine echte Kreditkarte auf den Markt. Damit will die größte deutsche Direktbank ihren Kunden ermöglichen, bereits die kommenden Weihnachtseinkäufe mit dem neuen Zahlungsmittel zu tätigen.
Bislang erhielten Kunden zum Girokonto der ING lediglich eine Visa Debitkarte sowie auf Wunsch eine Girocard. Dies führte insbesondere in der Urlaubszeit regelmäßig zu Unmut. Bei der Buchung von Mietwagen oder beim Hinterlegen von Kautionen im Hotel stießen die Debitkarten im Ausland oft an ihre Grenzen, da viele Autovermietungen und Hoteliers zwingend eine echte Kreditkarte verlangen. Stoy, der die 100-Prozent-Tochter der niederländischen Großbank seit Anfang 2025 leitet, hatte die Entwicklung einer eigenen Kreditkartenlösung daher bereits im vergangenen Jahr zur Chefsache erklärt und mit höchster Priorität vorangetrieben.
Mit dem Schritt reagiert die ING direkt auf den wachsenden Druck im Wettbewerb. Konkurrenten wie die DKB oder Comdirect haben den Wechsel von kostenlosen echten Kreditkarten hin zu Debitkarten als Standard-Zahlungsmittel in den vergangenen Jahren zwar ebenfalls vollzogen.
Im Gegensatz zur ING bieten diese Banken jedoch zumindest gegen eine monatliche Gebühr hauseigene, echte Kreditkarten an. ING-Kunden mussten für diesen Zweck bisher notgedrungen auf Drittanbieter wie Barclays oder die Hanseatic Bank ausweichen. Durch die baldige Einführung der eigenen Kreditkarte holt die ING diesen entscheidenden Wettbewerbsnachteil auf und positioniert sich wieder stärker als vollwertige Hausbank. Neobanken wie N26 oder C24 setzen derweil weiterhin fast ausschließlich auf reine Debit-Lösungen, wodurch sich die ING mit einer echten Kreditkarte auch von diesen digitalen Herausforderern positiv abheben kann. Wie hoch die Gebühren für die neue ING-Karte ausfallen werden, ist aktuell noch nicht bekannt.
Neben der neuen Karte bereitet das Management grundlegende Änderungen im Girokonto-Bereich vor. Die niederländische ING-Gruppe rollt derzeit konzernweit in allen Ländermärkten eine einheitliche Struktur mit vier unterschiedlichen Kontomodellen aus. In Deutschland soll dieses neue Design nach aktuellem Plan Mitte des Jahres 2027 eingeführt werden. Stoy betonte, dass man sich des wettbewerbsfähigen Girokonto-Angebots als wichtigstem Kundenmagneten bewusst sei und diese Attraktivität zwingend beibehalten wolle.
Derzeit ist das Girokonto der ING Deutschland bedingungslos für alle Kunden unter 28 Jahren kostenlos. Für alle anderen Kontoinhaber entfällt die monatliche Kontoführungsgebühr von 4,90 Euro nur dann, wenn ein monatlicher Mindestgeldeingang von 1.000 Euro verzeichnet wird. Bei der Konkurrenz liegen diese Hürden oft minimal niedriger, etwa bei 700 Euro Mindesteingang bei der DKB oder Comdirect. Ob sich diese Schwelle mit der Einführung der vier neuen Modelle im kommenden Jahr bei der ING ändert oder bestimmte Premium-Funktionen künftig kostenpflichtig zugebucht werden können, wird sich beim Rollout im Sommer 2027 zeigen. Fest steht jedoch, dass die Ära der komplett bedingungslosen und kostenlosen Gehaltskonten bei den großen Direktbanken endgültig vorbei ist.

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