Schluss mit der „Schrott-Rallye“: J.P. Morgan-Stratege Tilmann Galler warnt vor Ermüdungserscheinungen im vierten Jahr des Bullenmarktes. Warum Anleger jetzt auf Qualität, Anleihen und europäische Aktien setzen sollten – und Gold meiden.

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J.P. Morgan Asset Management
Der seit nunmehr drei Jahren andauernde Bullenmarkt an den internationalen Börsen geht in seine nächste, womöglich entscheidende Phase. Während die Kurse weiter klettern, ändern sich unter der Oberfläche die Spielregeln fundamental.
Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, diagnostiziert das Ende einer Marktanomalie: Die vergangenen zwölf Monate waren von einer sogenannten „Bad-Quality-Rally“ geprägt, bei der zyklische Aktien minderer Qualität die eigentlichen Substanzwerte outperformten.
Besonders seit April 2025 hatte sich dieser Trend verstärkt, doch nun dreht der Wind. Da die Bewertungen mittlerweile am oberen Ende des historischen Spektrums liegen und das globale Kurs-Gewinn-Verhältnis die Marke von 20 überschritten hat, wird die Luft für spekulative Titel dünner. Wenn ein Bullenmarkt ermüdet, steigt das Rückschlagrisiko, weshalb Galler nun dazu rät, das Portfolio wetterfest zu machen und konsequent auf Unternehmen mit stabilen Bilanzen und verlässlichen Ausschüttungen zu setzen.
Ein zentraler Risikofaktor für das laufende Jahr bleibt die Inflation, die sich hartnäckiger hält als von vielen erhofft. In den USA lag die Kerninflation im November 2025 mit 2,7 Prozent noch immer deutlich über dem Zielkorridor der Notenbank. Galler verweist hierbei auf eine wichtige Lehre der jüngeren Vergangenheit: Während Notenbanken allein kaum Teuerung erzeugen können, gelingt dies Staaten durch expansive Ausgabenpolitik sehr wohl.
Besonders die USA stehen hier im Fokus, da mit weiterem fiskalischem Stimulus zu rechnen ist. Im Hinblick auf die Midterm-Wahlen 2026 könnten Einnahmen aus der Zollpolitik der neuen US-Regierung direkt als Schecks an die Bevölkerung weitergereicht werden – bis zu 2.000 Dollar pro Haushalt stehen im Raum, was die Nachfrage und damit die Preise treiben dürfte.
Wer in diesem Umfeld Rendite sucht, muss laut dem Strategen abseits der ausgetretenen Pfade der US-Tech-Giganten schauen. Chancen bieten sich überraschenderweise im oft gescholtenen Europa, wo Galler Aufholpotenzial im Finanzsektor sowie bei den sogenannten „Granolas“ sieht, jenen wachstumsstarken europäischen Qualitätsaktien.
Auch in China identifiziert der Experte trotz aller geopolitischen Spannungen interessante Nischen: Während US-Tech-Titel teuer sind, vollzieht sich im Reich der Mitte ein massiver Boom beim Aufbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, der in den Bewertungen noch nicht gleichermaßen heißgelaufen ist. Als zyklische Option bieten sich zudem Small Caps an, deren Bewertungen im Vergleich zu den Large Caps inzwischen wieder attraktiv erscheinen.
Für die defensive Seite des Portfolios bricht Galler eine Lanze für Anleihen und Alternative Investments, während er den "Sicheren Hafen" Gold kritisch beäugt. Das Edelmetall habe zwar ein exzellentes Jahr hinter sich, doch das Preisschild sei inzwischen so hoch, dass die physische Nachfrage, etwa aus der Schmuckindustrie, bereits nachlasse. Anleihen hingegen sollten wieder einen festen Platz im Depot haben, auch weil der Tech-Sektor im Bond-Markt deutlich geringer gewichtet ist als im Aktienmarkt. Im Falle einer Tech-Krise könnten Anleihen daher – ähnlich wie beim Platzen der Dotcom-Blase – als wirkungsvoller Puffer fungieren. Wer zudem einen konkreten Inflationsschutz sucht, findet diesen laut Galler eher in den Private Markets, speziell in den Bereichen Infrastruktur und Transport, als im Goldtresor.

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