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Börse Stuttgart sichert sich erste DLT-TSS-Lizenz Europas für Settlement-Plattform Seturion

Die Börse Stuttgart erhält als erste europäische Börsengruppe die DLT-TSS-Lizenz von BaFin, ESMA und EZB. Die Plattform Seturion soll mit Partnern wie Nasdaq und Société Générale die fragmentierte Wertpapierabwicklung modernisieren.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

20.10.26

um

9:41

Uhr

Börse Stuttgart sichert sich erste DLT-TSS-Lizenz Europas für Settlement-Plattform Seturion

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Börse Stuttgart

Die Boerse Stuttgart Group hat einen bedeutenden regulatorischen Erfolg im Bereich der digitalen Finanzmarktinfrastruktur erzielt. Als erste Börsengruppe in Europa erhielt das Unternehmen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die sogenannte DLT Trading and Settlement System (TSS)-Lizenz im Rahmen des europäischen DLT-Pilotregimes. Die Erteilung erfolgte nach einem mehrmonatigen Prüfverfahren in enger Abstimmung mit der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) sowie der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit dem Bescheid schafft die Gruppe das regulierte Fundament für ihre Tochterplattform "Seturion", die als paneuropäische Drehscheibe für die digitale Wertpapierabwicklung an den Start geht.

Beseitigung der europäischen Post-Trade-Fragmentierung

In der europäischen Kapitalmarktarchitektur gilt die Nachhandelsphase seit jeher als kostenintensiver Engpass. Nationale Zentralverwahrer, mehrstufige Clearing-Ketten und voneinander abweichende Abwicklungszyklen binden beträchtliche Liquidität und verteuern grenzüberschreitende Transaktionen. Seturion setzt an diesem strukturellen Bruchpunkt an: Die Plattform ermöglicht ein direktes Peer-to-Peer-Settlement und unterstützt sowohl öffentliche als auch private Blockchains. Transaktionen können dabei wahlweise gegen tokenisiertes On-Chain-Geld oder klassisches Zentralbankgeld abgewickelt werden. Durch den Verzicht auf intermediäre Schnittstellen stellt das System Kosteneinsparungen von bis zu 90 Prozent sowie spürbar beschleunigte Abwicklungszyklen in Aussicht.

Dr. Matthias Voelkel, CEO der Boerse Stuttgart Group, sieht in der Zulassung einen zentralen Schritt zur Verwirklichung europäischer Integrationsziele:

"Der Erhalt der ersten DLT TSS-Lizenz für eine europäische Börsengruppe unterstreicht unsere Vorreiterrolle für den digitalen Kapitalmarkt der Zukunft."

Offene Industrielösung bindet Nasdaq und Société Générale ein

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal von Seturion liegt im architektonischen Ansatz als offene Branchenlösung. Externe Handelsplätze, Banken und Broker können sich über standardisierte Schnittstellen anbinden. Das Modell verschafft insbesondere kleineren oder regionalen Börsenplätzen einen strategischen Vorteil: Sie können ihren Kunden den Handel mit tokenisierten Vermögenswerten anbieten, ohne selbst ein aufwendiges, kostenintensives DLT-Lizenzierungsverfahren durchlaufen zu müssen.

Um die für ein Abwicklungssystem unverzichtbare Liquidität und Marktreichweite aufzubauen, kooperiert Seturion bereits zum Marktstart mit etablierten Branchenschwergewichten. Zu den strategischen Partnern zählen neben dem US-Börsenbetreiber Nasdaq und dem paneuropäischen Retail-Broker flatexDEGIRO auch die französische Großbank Société Générale sowie deren Digital-Asset-Sparte SG FORGE. Weitere Institute und Handelsplätze sollen in den kommenden Monaten folgen.

Praxistest für das DLT-Pilotregime der Europäischen Union

Mit der Erteilung der Lizenz tritt die Stuttgarter Initiative aus der theoretischen Konzeptionsphase in den realen Marktbetrieb ein. Die Führung von Seturion zielt darauf ab, die regulatorisch oft noch zögerliche Haltung institutioneller Investoren gegenüber der Distributed-Ledger-Technologie abzubauen.

Dr. Lidia Kurt, CEO von Seturion, unterstreicht die Rolle des einheitlichen Rechtsrahmens:

"Die DLT TSS-Lizenz der Boerse Stuttgart Group ermöglicht es uns, das Potenzial der Blockchain-Technologie für die Post-Trade-Infrastruktur der nächsten Generation in Europa zu nutzen."

Für den europäischen Finanzplatz markiert der Start zugleich einen wichtigen Meilenstein für das 2023 eingeführte DLT-Pilotregime der EU. Dessen Ziel war es, marktfähige Blockchain-Lösungen im regulierten Umfeld unter realen Bedingungen zu testen. Ob Seturion die versprochenen Effizienzgewinne von bis zu 90 Prozent im laufenden Betrieb tatsächlich realisieren kann, wird entscheidend davon abhängen, wie schnell die europäischen Großbanken und Broker ihre bestehende Backoffice-Infrastruktur an die neue Schnittstelle der Stuttgarter anpassen.

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