Berenberg Bank verzögert Jahresabschluss 2025: Berichte über Streit mit Wirtschaftsprüfern über Bewertungen und einen deutlichen Gewinneinbruch belasten das Image der Privatbank. Alle Hintergründe bei die-Privatbank.de.

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Berenberg (Standort Frankfurt)
Deutschlands älteste Privatbank lässt den Markt ungewöhnlich lange im Unklaren. Während das Hamburger Traditionshaus Berenberg seine Jahresergebnisse üblicherweise bereits im ersten Quartal präsentiert, steht das Testat für das Geschäftsjahr 2025 auch im April 2026 noch aus. Hintergrund ist offenbar ein tiefgreifender Dissens mit den Abschlussprüfern über die Bewertung von Bilanzpositionen.
In der Hamburger Goernestraße herrscht derzeit beredtes Schweigen. Dass ein Institut von der Statur Berenbergs – traditionell ein früher Veröffentlicher in der Branche – seinen Jahresabschluss bis weit in den April hinein verzögert, sorgt in Finanzkreisen für Unruhe. Wie der Fachdienst Platow Brief berichtet, liegen die Gründe für die Verzögerung nicht in operativen Versäumnissen, sondern in einem harten Ringen hinter den Kulissen: Die Bank und ihre Wirtschaftsprüfer streiten sich demnach über fundamentale Bewertungsfragen.
In normalen Geschäftsjahren war auf den Rhythmus der Hanseaten Verlass: Meist im Januar, spätestens jedoch im Februar, legte die Bank ihre Zahlen vor. Dass die Bilanz zwar intern erstellt, aber nach wie vor nicht testiert ist, deutet auf einen erheblichen Klärungsbedarf bei der Bewertung von Assets oder Risikovorsorgen hin.
In Branchenkreisen wird gemutmaßt, dass die Prüfer angesichts des volatilen Marktumfelds des Jahres 2025 eine konservativere Linie fordern, als es das Management unter Führung der persönlich haftenden Gesellschafter vorgesehen hatte. Da Berenberg stark im Investmentbanking und im Kreditgeschäft mit Spezialsegmenten engagiert ist, bieten Bewertungsspielräume oft Zündstoff für Diskussionen mit den Wirtschaftsprüfern.
Hinter den Kulissen verdichten sich zudem die Hinweise, dass die Erfolgsrechnung für das abgelaufene Jahr deutlich weniger glanzvoll ausfallen könnte als in den Vorjahren. Wie der Platow Brief unter Berufung auf das Umfeld der Bank meldet, müsse man mit einem Ergebnis rechnen, das spürbar unter dem Niveau von 2024 liegt.
Das Institut selbst lehnt jede Stellungnahme ab. Weder auf detaillierte Fragenkataloge des Platow Briefs noch auf Anfragen des manager magazins reagierte das Haus bisher mit einer inhaltlichen Einordnung. Diese Mauer des Schweigens ist für eine Bank, die sonst sehr proaktiv mit ihrer Performance und ihrer Kapitalstärke wirbt, ungewöhnlich und wird im Markt als Indiz für die Schwere des Konflikts gewertet.
Für die Führungskräfte und Vorstände konkurrierender Institute ist der Vorgang bei Berenberg ein Alarmsignal. Sollte sich der Streit an der Bewertung von illiquiden Assets oder an der Risikovorsorge für spezifische Portfolien entzündet haben, könnte dies ein Vorbote für ähnliche Diskussionen bei anderen Privatbanken sein.
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften stehen nach den regulatorischen Verschärfungen der letzten Jahre unter enormem Druck, Bewertungen kritischer denn je zu hinterfragen. Für Berenberg steht dabei viel auf dem Spiel: Die Bank ist auf das Vertrauen ihrer exklusiven Kundschaft und ihrer Partner im Interbankenmarkt angewiesen. Jede Verzögerung des Testats kratzt an dem Image der hanseatischen Solidität, das für Deutschlands ältestes Bankhaus das wertvollste Gut ist. Die Veröffentlichung der Zahlen wird nun mit Spannung erwartet – nicht nur wegen der nackten Gewinnzahlen, sondern vor allem wegen der Erläuterungen im Anhang zu den Bewertungsgrundlagen.

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