Abschied des Retters: UBS-Chef Sergio Ermotti plant offenbar Rückzug für 2027

Ende einer Ära in Sicht: UBS-Chef Sergio Ermotti plant laut Medienberichten seinen Abgang für April 2027. Der Wettlauf um die Nachfolge am Paradeplatz ist eröffnet, doch den neuen CEO erwartet ein harter Kampf um Kapitalkosten.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

13.1.26

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20:36

Uhr

Abschied des Retters: UBS-Chef Sergio Ermotti plant offenbar Rückzug für 2027

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UBS

Es ist das wohl wichtigste Datum im Kalender der Schweizer Finanzwelt: Im April 2027 könnte die Ära von Sergio Ermotti an der Spitze der UBS endgültig enden. Wie die Financial Times unter Berufung auf Insider berichtet, bereitet der Verwaltungsrat der Großbank den geordneten Rückzug des Mannes vor, der aus dem Ruhestand zurückkehrte, um die größte Bankenfusion Europas zu retten. Damit fällt der Startschuss für ein einjähriges Schaulaufen der Kronprinzen am Zürcher Paradeplatz.

Mission erfüllt als Voraussetzung

Der Zeitplan folgt einer klaren strategischen Logik. Die Bankführung hatte in der Vergangenheit stets betont, dass der heute 65-Jährige das Steuer erst aus der Hand geben werde, wenn die komplexe Integration der Credit Suisse weitgehend abgeschlossen ist.

Dieses Ziel soll internen Planungen zufolge bis Ende 2026 erreicht sein. Ein Führungswechsel zur Generalversammlung im Frühjahr 2027 wäre somit das krönende „Mission Accomplished“ für den Tessiner Manager. Seine Bilanz spricht bereits jetzt für sich: Unter seiner Ägide hat sich der Aktienkurs seit der Notübernahme der strauchelnden Konkurrentin mehr als verdoppelt, allein im vergangenen Jahr legte das Papier um ein Drittel zu.

Das Schaulaufen der Erben beginnt

Mit dem nun kolportierten Enddatum wächst der Druck im Kessel der internen Talentschmiede. Am Hauptsitz bringen sich die potenziellen Nachfolger in Stellung. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten derzeit die beiden Co-Chefs der prestigeträchtigen Vermögensverwaltung, Iqbal Khan und Rob Karofsky.

Doch der Kreis ist weiter gefasst: Auch Chief Operating Officer Beatriz Martin und Asset-Management-Chef Aleksandar Ivanovic werden im Kandidatenkarussell hoch gehandelt. Sie alle haben nun zwölf Monate Zeit, um ihre Eignung für den wohl einflussreichsten Posten der Schweizer Wirtschaft unter Beweis zu stellen.

Politischer Sprengstoff für den Nachfolger

Wer auch immer das Zepter übernimmt, erbt nicht nur ein saniertes Haus, sondern auch einen schwelenden politischen Großkonflikt mit der Schweizer Regierung. Bern drängt auf eine massive Verschärfung der Eigenkapitalregeln, um das Risiko der nun noch mächtigeren Bank für den Staatshaushalt zu minimieren. Besonders der Plan, ausländische Tochtergesellschaften künftig zu 100 Prozent mit Kapital zu unterlegen, stößt bei der Großbank auf erbitterten Widerstand.

In einer aktuellen Stellungnahme warnte das Institut davor, dass diese Maßnahmen einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 23 Milliarden Dollar auslösen würden. Dies schwäche nicht nur die Bank, sondern die gesamte Schweizer Wirtschaft. Während Ermotti Spekulationen über eine Sitzverlegung ins Ausland zuletzt eine Absage erteilte, blieb sein mitunter konfrontativer Stil gegenüber der Politik bislang ohne den gewünschten Durchbruch. Der nächste CEO wird daher nicht nur als Bankmanager, sondern vor allem als Diplomat gefragt sein, um einen teuren Regulierungs-Showdown abzuwenden.

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