Rentenbank zündet den Turbo: Erneuerbare Energien treiben Neugeschäft auf 6,6 Milliarden Euro

Rentenbank-Boom 2025: Das Neugeschäft springt um 82 Prozent auf 6,6 Mrd. Euro. Erneuerbare Energien sind der Treiber, der Gewinn gibt investitionsbedingt nach.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

29.1.26

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18:58

Uhr

Rentenbank zündet den Turbo: Erneuerbare Energien treiben Neugeschäft auf 6,6 Milliarden Euro

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Rentenbank

Für die Landwirtschaftliche Rentenbank war 2025 das Jahr der großen Rückkehr. Nach einem eher verhaltenen Vorjahr meldet das Frankfurter Förderinstitut nun Zahlen, die aufhorchen lassen: Das Neugeschäft bei den zinsgünstigen Programmkrediten explodierte förmlich und legte um satte 82,1 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zu. Damit unterstreicht die Bank ihre zentrale Rolle bei der Finanzierung der Transformation im ländlichen Raum.

Besonders ein Sektor sticht in der Bilanz hervor: Die Sparte „Erneuerbare Energien“. Nachdem hier im Jahr 2024 aufgrund des Zinsumfelds und hoher EU-Referenzsätze kaum Bewegung zu verzeichnen war, öffneten sich 2025 die Schleusen. Das Volumen sprang von homöopathischen 76,1 Millionen Euro auf beachtliche 1,8 Milliarden Euro. Die Normalisierung der Zinskurve wirkte hier als der erhoffte Katalysator für Investitionen.

Förderauftrag erfüllt: Wachstum in der Breite

Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands, zeigt sich angesichts dieser Entwicklung sichtlich zufrieden:

„Nach einem durchwachsenen Förderjahr 2024 sind wir sehr zufrieden, in 2025 genau die richtigen Weichen gestellt zu haben, um unsere Förderwirkung weiter auszubauen“

Doch nicht nur die Energieprojekte liefen gut. Auch das Kerngeschäft mit der Land- und Ernährungswirtschaft zeigte sich robust. Die klassischen Sparten, die rund 73 Prozent des Portfolios ausmachen, wuchsen in Summe um knapp 36 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Ein Ausrufezeichen setzte dabei die „Agrar- und Ernährungswirtschaft“ mit einem Plus von fast 145 Prozent.

Auch bei der Modernisierung der Tierhaltung kommt Bewegung in den Markt. In der Sparte Landwirtschaft, die insgesamt 1,9 Milliarden Euro an Zusagen verbuchte, stieg das Volumen für Stallfinanzierungen spürbar an. Das spezifische Programm für „Stallumbauten für mehr Tierwohl“ trug hierzu rund 57 Millionen Euro bei.

Innovation und Klimaschutz als strategische Pfeiler

Die Rentenbank positioniert sich dabei zunehmend nicht nur als reiner Geldgeber, sondern als strategischer Partner für Klimaschutz und Innovation. Das neu eingeführte Produktfeld zur Klimabilanzierung traf offenbar einen Nerv: Über 800 Anträge für Zuschüsse zur Erstellung von Klimabilanzen wurden bewilligt.

„Das zeigt, wie dringend geboten es ist, wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen mit Anreizen zu versehen, um die bereits vorhandene Motivation in die Tat umzusetzen“, kommentiert Steinbock den Erfolg der neuen Klimaschutz-Programme.

Gleichzeitig baut die Bank ihre Rolle im Startup-Ökosystem aus. Über die „Growth Alliance“ und in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Landwirtschaft (BMLEH) fließt Risikokapital in die Frühphase von Agri-Tech-Unternehmen. Ein spannender Ausblick auf 2026: Im ersten Quartal startet ein neues Förderprogramm für innovative Antriebssysteme, das die Elektromobilität auf den Äckern durch vergünstigte Kredite vorantreiben soll.

Refinanzierung drückt auf das Betriebsergebnis

Wo viel Licht ist, fallen auch Schatten – allerdings kalkulierte. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertung sank im Jahr 2025 auf 86,6 Millionen Euro (Vorjahr: 161,6 Mio. EUR). Dieser Rückgang ist jedoch weniger ein Warnsignal als vielmehr der Preis für die massive Ausweitung der Förderaktivität und notwendige Zukunftsinvestitionen.

Höhere Verwaltungskosten von 146,2 Millionen Euro spiegeln den personellen Aufbau und vor allem die technologische Transformation der Bank wider. Finanzvorstand Dr. Marc Kaninke ordnet dies ein: „2025 war das Jahr, in dem wir große Schritte in der Ablösung unseres Kernbanksystems gemacht haben. Dreiviertel der IT-Roadmap sind umgesetzt“.

Die Refinanzierung dieses Kraftakts gelang am Kapitalmarkt reibungslos. Die Rentenbank nahm 10,9 Milliarden Euro an mittel- und langfristigen Mitteln auf und übertraf damit die eigenen Erwartungen. Besonders erfolgreich war eine globale US-Dollar-Anleihe, die auf eine rekordverdächtige Nachfrage stieß.

Trotz der gesunkenen Gewinne bleibt die Substanz der Bank unerschütterlich. Die Gesamtkapitalquote liegt mit 32,5 Prozent weiterhin weit über den regulatorischen Anforderungen, auch wenn die Einführung von CRR III hier statistische Spuren hinterlassen hat. Die Leverage Ratio verbesserte sich sogar auf 11,5 Prozent. Die Rentenbank geht somit finanziell gesund und technologisch modernisiert in ein Jahr, in dem Themen wie Ernährungssicherheit und Energiewende weiter an Bedeutung gewinnen werden.

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